Ich bin Coach und Moderatorin, Mutter und Marathonläuferin, pendle zwischen Welten und Städten. Das ist spannend! Und wundervoll! Und es fallen Geschichten und Erkenntnisse ab, die ich Ihnen und Euch erzählen möchte. Einmal wöchentlich, in meinem Blog.

Beweg! Dich!

Nein, natürlich muss nicht jeder von uns Ultra-Marathon laufen, sich in Schwergewichts-Weltmeisterschafts-Boxkämpfen vermöbeln lassen, oder den Ärmelkanal durchschwimmen. Aber die vergangene Woche hat mir aufs Neue bewiesen, was lange schon in mir abgespeichert ist und was ich ebenso lange schon versuche, meinen Klienten mitzugeben: wer bewegen will, sich selbst und andere – wer seine Ziele erreichen und in die Handlung kommen will, der muss sich selbst bewegen.

Wir haben das gerade in unserem F.A.C.E.-Camp genauso gesehen, wie ich an mir selbst: Willenskraft im schlappen Körper ist schwer vorstellbar. Wer über sich hinaus will, wer wachsen will, der kann nicht permanent Raubbau an der eigenen Physis betreiben. Uns als körperlose Super-Brains zu sehen, ist genauso fehlgeleitet, wie uns selbst ausschließlich auf die Schönheit oder die Kraft unseres Körpers zu reduzieren. Wir sind eben alles. Und nur als Ganzes gelingt uns Großes.

Ich weiß noch, wie vor ein paar Monaten eine sehr liebgewonnene Klientin bei mir im Coaching-Raum saß. Sie hatte eine massiv schwere Zeit hinter sich, Monate in ihrem Konzern, die sie fertig gemacht hatten. Einer ihrer Vorstände hatte sich gedreht, wie eine schwerwiegende Fahne im Wind und blockte sie mit all ihren Ideen und Anliegen ab. Es war, als würde sich nach und nach die ganze Organisation gegen sie wenden.

Wir hatten viele Sitzungen in dieser Zeit, Stunden, in denen wir neue Strategien entwickelten, wie sie sich wieder festigen könnte, dann Stunden, in denen wir ihren Exit vorbereiteten. Irgendwann ging sie aus meinem Raum und ich sah ihr nachdenklich hinterher. Sie war immer schon sehr schmal gewesen, aber die vergangenen Monate hatten sie noch deutlich mehr ausgezehrt. Ihre Schultern hingen, ihr Gang war weit weniger dynamisch, als noch vor ein paar Wochen. Es war, als hätte der abtrünnige Vorstand ein Ventil an meiner Klientin geöffnet, aus dem unmerklich und mit einem stummen Seufzen Kraft und Stärke aus ihrem Körper entwichen wären. Mehr und mehr.

Pietro, der Personal Trainer mit dem ich auch jetzt gemeinsam das Camp bestritten habe, kannte ich damals schon. Ich hatte in einer für mich schweren Zeit ein paar Boxstunden bei ihm gehabt, die mich extrem gefordert – und gleichsam meine innere Kraft und Haltung extrem gefördert hatten. Als ich meine Klientin gehen sah, so zerbrechlich und zart, rief ich ihn an. Und vereinbarte einen Termin für sie bei ihm. Ich briefte ihn, weil ich fühlte, dass sie brauchte, was er mir damals gegeben hatte. Nämlich die entwichene Kraft, die mit der physischen Kraft Hand in Hand geht, wie Kindergartenkinder auf einem Ausflug.

Ich darf sagen: mein Plan ging auf. Meine Klientin ließ sich auf einen Versuch ein. Und ließ sich von Pietro auf der körperlichen Seite aufrichten, während sie mit mir mental weiter arbeitete. Sie fing an, mit ihm zu boxen und Kraft aufzubauen, begann auch wieder zu laufen und kam nach und nach zurück in die körperliche und geistige Stärke.

Sie hat ihren Exit vollzogen, hat die besten Bedingungen für sich erkämpft, hat sich befreit und sich selbstständig gemacht. Sie hat ein Leuchten in den Augen. Und einen Gang, den man ohne weiteres auch einer 20jährigen Profisportlerin zutrauen würde. Sie hat sich bewegen lassen, körperlich und mental. Und zwar in einem solchen Maße, dass ihr definitiv alles zuzutrauen ist.


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